Die eine Frage, die mich nach der Diagnose am meisten beschäftigt hat. Ich
habe mich für die Operation entschieden – und das, obwohl ich Kliniken sonst so gut es
geht meide. Hier lege ich ehrlich offen, was für und was gegen den Eingriff sprach.
Zuletzt aktualisiert: 02.07.2026·Lesezeit: ca. 7 Min·Eigene Erfahrung
Kein medizinischer Rat. Das ist mein persönlicher Verlauf, keine
Behandlungsempfehlung. Bei Diagnose und Therapie sprich bitte mit deinem Arzt
oder deiner Ärztin.
Kurz gesagt
Ich habe mich bei meiner Radiusköpfchenfraktur für die Operation entschieden – obwohl ich
Krankenhäusern sonst aus dem Weg gehe. Ausschlaggebend war die Schwere des Bruchs: Mason II,
über 4 mm verschoben, dazu ein Band- und ein Knorpelschaden. Ob operiert wird, ist von
Bruch zu Bruch verschieden. Hier lege ich die Punkte offen, die für mich dafür und dagegen
sprachen.
Wenn du die Titel der anderen Beiträge schon gesehen hast, weißt du es bereits: Ich habe
mich für die OP entschieden. Dazu muss ich allerdings sagen, dass ich sonst eigentlich
alles dafür tue, genau so ein Szenario zu vermeiden. Ich mache viel Sport, bin viel
unterwegs und ansonsten gesund. Ärzte und Krankenhäuser sind für mich Orte, von denen ich
normalerweise so viel Abstand wie möglich nehme. Genau deshalb will ich hier noch einmal in
Ruhe darlegen, warum ich mich trotz dieser eher ablehnenden Haltung am Ende für eine
Operation entschieden habe.
Und trotzdem gilt: Das ist meine persönliche Geschichte. Jeder Bruch ist anders, und jeder
muss seine eigene Situation gemeinsam mit den behandelnden Ärzt:innen einschätzen. Ich gehe
hier nur auf die Pros und Contras ein, die ich für meinen Fall gesehen habe.
Sonst viel in Bewegung – umso schwerer fiel mir die Entscheidung für eine OP.
Der Befund
Meine Diagnose im Wortlaut
Damit die Abwägung Sinn ergibt, kurz mein Befund so, wie er auf dem Papier stand:
dislozierte Radiuskopffraktur (Mason II), dazu eine traumatische osteochondrale
Läsion am Capitulum, eine LCL-Läsion (äußeres Seitenband) rechts und ein
freier Gelenkkörper. Klingt sperrig – im Kern hieß das: verschobener Bruch mit
Gelenkflächen-, Band- und Knorpelbeteiligung.
Meine Röntgenaufnahmen vor der OP – der Bruch aus zwei Positionen.
Das animierte CT meines Ellenbogens – es startet automatisch, sobald es beim
Scrollen ins Bild kommt.
Die Abwägung
Was in meinem Fall dafür und dagegen sprach
Beide Seiten haben ihr Gewicht – und was richtig ist, ist von Bruch zu Bruch verschieden.
So sah die Waage bei mir aus:
Dafür
Pro Operation
Schwere des Bruchs: Stufe über 4 mm mit Gelenkflächenbeteiligung, dazu Bänderriss (LCL) und Knorpelschaden
Exakte Wiederherstellung der Gelenkfläche und Fixierung des Bandes
Möglicherweise geringeres Risiko für spätere Fehlstellungen
Ohne OP könnte eine kleine Stufe in der Gelenkfläche bleiben – in manchen Fällen später Belastungsschmerzen oder leichte Bewegungseinschränkungen
Ohne OP, langfristig eventuell leicht erhöhtes Arthroserisiko (bei kleinen Verschiebungen aber oft gering)
vs
Dagegen
Contra Operation
Infektions-, Narkose- und Narbenrisiko
Der Ellenbogen kann auch nach einer technisch gelungenen OP steif werden
Eventuell später weitere Eingriffe nötig, z. B. Materialentfernung – bei mir nicht der Fall: die zwei Titanschrauben bleiben drin
Diese Punkte stammen aus den Gesprächen mit meinen Ärzt:innen – bei dir
kann die Abwägung ganz anders ausfallen.
Wie ich entschieden habe
Zwei Dinge, die für mich am wichtigsten waren
Am Ende haben mir zwei Sachen die Entscheidung abgenommen. Erstens: Hol dir auf jeden Fall
eine zweite, am besten sogar eine dritte Meinung ein – auch wenn das etwas kostet. Bei mir
zeigten mehrere unabhängige Einschätzungen in dieselbe Richtung, und genau das hat mir die
Sicherheit gegeben, die ich gebraucht habe.
Und zweitens: Wenn du dich für eine OP entscheidest, mach deine Recherche und such dir
einen erfahrenen Operateur. Meiner macht zum Beispiel mehrere Hundert dieser Operationen im
Jahr. Je mehr Routine, desto besser – das war für mich ein ganz entscheidender Punkt.
„Jeder Bruch ist anders. Am Ende zählte für mich nicht die Angst vor der OP, sondern die
Frage, womit ich in zehn Jahren gut leben kann."
Was mir geholfen hat. Am meisten hat mir geholfen, früh mehrere unabhängige Meinungen
einzuholen – das hat mir die Entscheidung für die OP deutlich leichter gemacht. Und im Kopf
war der Gedanke wichtig, dass es „nur" ein Bruch ist, der sich richten lässt; das hat die
ersten, ehrlich gesagt ziemlich zähen Tage erträglicher gemacht.
Häufige Fragen
Das werde ich am häufigsten gefragt
Muss eine Radiusköpfchenfraktur immer operiert werden?
Nein, überhaupt nicht – viele werden konservativ behandelt. Bei mir sprachen die Verschiebung über 4 mm, der Bandriss und der Knorpelschaden für die OP. Jeder Bruch ist anders, deshalb: unbedingt eine zweite oder dritte Meinung einholen.
Bleiben die Schrauben nach der Operation im Arm?
Bei mir ja: zwei Titanschrauben, die dauerhaft drinbleiben. Eine Materialentfernung war in meinem Fall nicht nötig.
Wie viele Meinungen sollte man einholen?
Ich habe mir mehrere unabhängige Meinungen geholt und würde das jederzeit wieder tun – auch wenn es etwas kostet. Genauso wichtig war für mich ein erfahrener Operateur mit vielen solchen Eingriffen pro Jahr.
Wie lange war ich krankgeschrieben?
Zunächst knapp zwei Wochen (23. Juni bis 7. Juli 2026). Als Selbstständiger hat mir der Krankenschein selbst wenig gebracht. Den ganzen Zeitverlauf findest du unter Heilungsdauer & Krankschreibung.
Würde ich mich wieder so entscheiden?
Ja. Zwei Spezialisten, meine eigene Recherche und sogar die KI-Auswertung meiner Bilder zeigten alle in dieselbe Richtung, und der Eingriff verlief gut. Rückblickend bin ich froh, dass ich mich für die OP – und für einen erfahrenen Operateur – entschieden habe.
Hatte selbst eine Radiusköpfchenfraktur nach einem Fahrradsturz und teilt hier
den ehrlichen Verlauf – als Betroffener, nicht als Mediziner. Mehr über mich erfährst du unter Über mich.