Kleiner Rückblick: Wie ich mich überhaupt für die OP entschieden habe – trotz meiner Abneigung gegen Kliniken – erzähle ich in Teil 2. Hier geht es um das, was danach kam: den Eingriff und die Zeit direkt danach. Alles aus meiner Sicht, ohne Beschönigung.
Teil 3 · Erfahrungsbericht
Die Operation und die Tage danach
Nach der Entscheidung kam der Teil, vor dem ich am meisten Respekt hatte: der Eingriff selbst. Hier erzähle ich, wie die Vorbereitung lief, wie der OP-Tag war – und wie sich die ersten Tage danach wirklich angefühlt haben.
Kurz gesagt
Meine Radiusköpfchenfraktur wurde in Vollnarkose operiert, dazu bekam ich eine Regionalanästhesie für den Arm – einen sogenannten Schmerzkatheter. Der Eingriff selbst verlief komplikationslos. Hart waren vor allem die ersten beiden Nächte, als die Betäubung nachließ und die Schmerzen kaum in den Griff zu bekommen waren. Nach zwei Tagen wurde ich entlassen. Wie das Schritt für Schritt lief – von der Vorbereitung bis nach Hause – liest du hier.
Vor dem Eingriff
Die Vorbereitung
Vor der OP hieß es erst mal: viel Papierkram ausfüllen. Es wird ein EKG gemacht, Blut abgenommen und ein Anästhesiegespräch geführt.
Weil bei mir in Bauchlage operiert wurde, kam nur eine Vollnarkose infrage. Zusätzlich hat man mir eine Regionalanästhesie für den Arm empfohlen – der Fachbegriff dafür ist Plexusanästhesie, genauer eine Blockade des Plexus brachialis, also des Armnervengeflechts. Dabei wird dieses Nervengeflecht betäubt, und man hat im Arm überhaupt kein Gefühl mehr. Der Zugang läuft über den Hals: Dort wird ein dünner Katheter gelegt, an dem eine kleine Apparatur hängt, aus der laufend ein Betäubungsmittel an das Nervengeflecht abgegeben wird. Man nennt das auch einen Schmerzkatheter.
Der OP-Tag
Wie der Eingriff ablief
Die OP selbst verlief komplikationslos – das ist eben der Vorteil, wenn man einen erfahrenen Operateur hat. Ich bin vormittags in den OP-Saal gerollt worden, und kurze Zeit später bin ich schon im Aufwachraum aufgewacht. Schmerzen hatte ich keine. Der Arm war komplett betäubt, und mit komplett meine ich: Ich konnte meine Finger nicht spüren, gar nichts. Danach kam ich auf Station, und alles in allem ging es mir eigentlich ganz gut.
Der betäubte Arm
Ein Arm wie ein Fremdkörper
Nur diese Betäubung im Arm war extrem gewöhnungsbedürftig. Ich kannte das so noch nicht. Es ist ein Gefühl, als wäre der Arm eingeschlafen – nur eben der komplette Arm, und er fühlt sich an wie ein Fremdkörper. Einmal habe ich mich auf die Bettkante gesetzt, und plötzlich baumelte da irgendwas in meinem Sichtfeld herum. Erst dann habe ich gemerkt: Das ist mein eigener Arm. Man hat fast keinen Bezug mehr dazu.
„Plötzlich baumelte da irgendwas in meinem Sichtfeld herum – und erst dann habe ich gemerkt, dass es mein eigener Arm ist."
Man muss natürlich aufpassen, dass man keine Dummheiten damit anstellt, und ihn ständig halten. Ich hab ihn dann in eine Schlinge gelegt, aber man kann eben nicht immer aufpassen – und dann plumpste er doch wieder irgendwie zur Seite weg. Das war so komisch, dass ich mich am Ende entschieden habe, diesen Schmerzkatheter ziehen zu lassen. Einfach, weil ich mit dem Gefühl nicht klargekommen bin. Ich musste noch etwas unterschreiben, und dann war er auch schon raus.
Die ersten Nächte
Als der Schmerz zurückkam
Ab da kam das Gefühl Stunde für Stunde in die Finger zurück – aber mit dem Gefühl kam eben auch der Schmerz.
Schmerzkatheter raus
Der Schmerzkatheter kam am späten Nachmittag raus. Stunde für Stunde habe ich gemerkt, wie mehr Gefühl in die Finger zurückkommt – und mit ihm langsam der Schmerz.
Das Schmerzfeuerwerk
Gegen drei Uhr nachts ging das Schmerzfeuerwerk richtig los. Es hat sehr weh getan, und ab da war ich wach. Schmerzmittel haben nicht mehr wirklich was gebracht.
Auf dem Gang
Den Tag habe ich dann irgendwie rumbekommen. Ich bin sehr früh aufgestanden – es war Sommer, also früh hell – und auf dem Gang rumgelaufen, hab mit den Leuten und den Pflegern gesprochen.
Noch schlimmer
Die zweite Nacht war vom Schmerz her fast noch schlimmer, und die Schmerzmittel haben kaum angeschlagen. Es wurde alles durchprobiert: erst das klassische Ibuprofen und Novaminsulfon, dann Oxycodon als Tablette, dann eine Oxycodon-Spritze in den Bauch, dann Novaminsulfon intravenös. Letzteres schlägt bei mir aber extrem auf den Kreislauf, sodass ich nach zwei Minuten gesagt hab: weg damit. So ging das bis etwa fünf Uhr früh – die Nachtschwester war schon am Verzweifeln, ich sowieso.
Entlassung & Fazit
Nach zwei Tagen nach Hause
Der Operateur ist täglich vorbeigekommen, hat nach dem Befinden gefragt, sich den Arm angeschaut und ein paar Tipps zur Beweglichkeit gegeben. Nach zwei Tagen wurde ich aus dem Krankenhaus entlassen.
Ich glaube, das hatte auch damit zu tun, dass ich privat versichert war und dadurch ein Einbettzimmer hatte – also meine Ruhe und viel Privatsphäre. Meine Frau und meine Tochter sind täglich zu Besuch gekommen, wir haben zusammen zu Abend gegessen, und meine Tochter hat mit mir ein bisschen im Bett gekuschelt. Ich kann mir kaum vorstellen, wie das in einem Zwei- oder Mehrbettzimmer gewesen wäre – vor allem für die Mitpatienten, denn ich habe praktisch nicht geschlafen.
Zu Hause
Die ersten Tage zu Hause
Als ich wieder zu Hause war, waren die ersten Tage anstrengend. Ich hatte eine Gipsschiene, die ich bis etwa eine Woche nach der OP tragen musste – und die machte vor allem das Schlafen schwierig. Ich habe die meiste Zeit halb sitzend auf der Couch geschlafen, mit vielen Kissen um mich herum, damit ich die Position wenigstens ein bisschen wechseln konnte. Weil ich mir den rechten Ellenbogen gebrochen hatte, konnte ich immerhin ein Stück weit auf der linken Seite liegen.
Die Schmerzen waren in der dritten Nacht immer noch da, aber im Vergleich zu den ersten beiden war das kein Thema mehr – von Tag zu Tag wurde es besser. Die ersten drei Tage zu Hause habe ich noch Schmerztabletten genommen und sie dann langsam ausgeschlichen; ab dem sechsten Tag nach der OP brauchte ich gar keine mehr. Alles in allem war es – den Umständen entsprechend – eine ganz gute Erfahrung.
Häufige Fragen
Häufige Fragen zur OP und den Tagen danach
War die Operation ambulant oder stationär?
Stationär. Ich war zwei Nächte im Krankenhaus und wurde danach entlassen.
Wie stark waren die Schmerzen nach der OP?
Direkt nach dem Aufwachen hatte ich dank der Regionalanästhesie keine Schmerzen. Hart wurden vor allem die ersten beiden Nächte, als die Betäubung nachließ – die zweite war fast noch schlimmer als die erste. Ab der dritten Nacht wurde es deutlich besser.
Warum habe ich den Schmerzkatheter vorzeitig ziehen lassen?
Weil ich mit dem Gefühl des komplett betäubten Arms nicht klargekommen bin – er fühlte sich wie ein Fremdkörper an und baumelte unkontrolliert herum. Der Preis dafür war allerdings, dass der Schmerz danach heftiger zurückkam.
Bleiben die Schrauben im Arm?
Bei mir ja: zwei Titanschrauben, die dauerhaft drinbleiben. Eine Materialentfernung war nicht nötig. Mehr zur Entscheidung in Teil 2.
Lohnt sich ein Einbettzimmer?
Für mich klar ja. Als Privatpatient hatte ich ein Einbettzimmer und damit Ruhe und Privatsphäre – bei den unruhigen Nächten war das viel wert. Gesetzlich Versicherten, die es gegen Aufpreis dazubuchen können, würde ich es empfehlen. Wer diesen Klinik-Komfort dauerhaft absichern will, kann eine private Krankenvollversicherung oder – als gesetzlich Versicherter – eine Krankenzusatzversicherung fürs Ein- oder Zweibettzimmer vergleichen (Anzeige). Wie es dann weiterging, liest du in Heilungsdauer & Krankschreibung und Rehabilitation & Krankengymnastik.